Uwe Kolbe / VIER GEDICHTE / gjendiktet av Asbjørn Stenmark

Der Kuckuck

Wo wohnt der große Vogel und auf welchem Baum,
gehüllt in seine Flügel, die im Traum sich breiten
und ihn entführen in die schönsten Zweisamkeiten,
obwohl ihn doch nur wärmt sein eigner alter Flaum?

Wenn ich ihn zählen höre meine Menschenstunden
am Tag vom Waldrand her, das erste Mal im Jahr,
so halt ich inne, zähle mit auf die Gefahr,
es wäre all mein Lebensmut daran gebunden.
Mir ist, ich bin ein Kind und ziehe aus, ihn suchen.
Nicht wie ein Jäger, der das Wild am Ende stellt
wie der Entdecker einer aufgelassenen Welt.
Mir ist, ich bin ein Kind und muss die Eltern suchen,
wohl wissend, dass kein Nest sie beieinander hält,
nur hören, wie ihr Echo klingt zu meinen Rufen.

(aus: LIETZENLIEDER, S. Fischer Verlag Frankfurt/M. 2012)

die drei folgenden Gedichte aus: IMAGO, S. Fischer Verlag Frankfurt/M. 2020

Insektensinne

Es wendet sich das Blatt, eine Bewegung,
als spähte Gott nach dir und du wärst nackt.
Ich öffnete die Tür, wahr ist, du tratest ein,
schwebst, läufst nun über mir, Schwerkraft
hat kaum Gewalt über dich, du schreitest
auf all den polierten Flächen der Welt.
Suchst später auch Nähe, Wärme, Geruch,
auf und davon, wenn ich ein wenig zucke.
Im Arsenal deiner Sinne gilt einer dem Tod,
ein spielerischer. Wir haben den nicht.

Kurzer Besuch

Die Nachtigall ist unversehrt,
im Park ihr kleines Warum
wie Wolkenzug, unerhört.
Der Bergahorn ist alt geworden.
Die anderen sind gestorben.

Melmoth

If we want to be at home on this earth,
even at the price of being at home in this century…

(Hannah Arendt)

Vorbei ist auch das Jahrhundert, auch ihm
folgten fröhlich die Böller, krachende Nacht.

Nun liegt noch ein wenig Schnee, darauf
einer schaut und vorsichtig weitergeht.

Die Hosentaschen hängen rechts und links
heraus aus der Silhouette, das Haar

geplättet in Form einer Kopfbedeckung,
die Kunstfaserjacke ein Abglanz.

Schuhe, wie er sie trägt, putzt man nicht.
Die Häuser in Vierteln, durch die er geht,

sind angepinselt, haben kein Alter,
Fassaden wie Pfefferminz, Muttermilch

und Himbeersoße mit Löchern
für Türen und Fenster, geeignet

zu Einlass und Ausschau, das mag wohl
so sein, denkt er und geht weiter

Gjøken

Hvor bor den store fuglen og på hvilken gren,
i vinger hyllet inn, de foldes ut i netter 
som ble den bortført til vakre tosomheter
og det når varmen er fra dens eget gamle dun?
Og hører jeg den telle hver mennesketime
den første gangen fra skogsranden om våren,
hvor stille er jeg, teller med som var faren 
at alt livsmotet mitt sto der bundet fast til det.
Jeg er som et barn som drar ut for å lete
og ikke som jegeren med sitt våpe
som oppdager av en verden som står åpen.
Jeg er som et barn som søker sine foreldre
vel vitende om at intet reir holder på dem,
kun ekkoet deres når ropet mitt vil skjelve

Insektsanser

Et blad vender seg, en bevegelse,
som om Gud spionerte på deg og du var naken
Jeg åpnet døren, sant er, du trådte inn,
svever, løper over meg, tyngdekraft
har knapt makt over deg, du skrider
over hele verdens polerte flater.
Senere søker du også nærhet, varme, lukt,
du er borte bare jeg rykker til.  
I ditt arsenal av sanser er den for døden 
leken. Vi har den ikke.

Kort besøk

Nattergalen er ivaretatt,
i parken dens lille hvorfor,
som et vindpust, ubesvart.
Platanlønnen ser en alderen på.
De andre er døde nå.

Melmoth 

If we want to be at home on this earth, 
even at the price of being at home in this century… 

(Hannah Arendt)

Forbi er også det århundret, også det
ble fulgt av feststemt fyrverkeri, skrallende natt.

Nå ligger det igjen litt snø, en ser
på den og går forsiktig videre.  

Bukselommene henger til høyre og venstre
ut fra silhuetten, håret

dekket i form av et hodeplagg,
kunstfiberjakken en avglans.

Sko som de han har på seg, pusser man ikke.
Husene i kvartalene han går gjennom,

er malt over, har ingen alder,
fasader som peppermynte, morsmelk

og bringebærsaus med hull
for dører og vinduer, egnet

for inngang og utsyn, det får
så være, tenker han og går videre

Photo: Künstlerhaus Edenkoben

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Uwe Kolbe, geboren 1957 in Berlin. Neben Gedichtbänden hat er mehrere Bände Essays und 2014 den Roman Die Lüge veröffentlicht. Im S. Fischer Verlag Frankfurt am Main erschienen zuletzt der Essay Brecht. Rollenmodell eines Dichters 2016, Psalmen 2017 sowie der Gedichtband Imago 2020.

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Asbjørn Stenmark (f. 1971) er forfatter og oversetter, og har blant annet gjendiktet Jan
Wagner til norsk. Siste utgivelse er romanen Krill (Solum Bokvennen, 2022). Denne gjendiktningen er på oppdrag fra Forfatternes klimaaksjon.

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