Hatloey-Kjartan

 

Für meinen Sterbetag wünsche ich mir, daß der Fjord weithin bis zum Meer marineblau ist und glatter als Seide. Dazu will ich Silberwellen, die allerkleinsten, über eine große Fläche. Niemand soll sie sehen können, doch sollen sie zittern und beben. Nicht schlimm, sagen die Leute, er verschwand unten im Tang.

 

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Wenn es in Strömen regnet, wird der Bergriegel im Süden weiß. Weiße dünne Bachfäden kommen heraus, wild und wilder schlängeln sie sich hinab, sie schmecken nach Erlen- wurzeln, schmecken nach der Regenwolke. Da sitzt der blaue Reiher auf der östlichen Schäre nahe dem Nordstrand, der Schnabel ein mondgelber Dolch. Eine Klugheit, die nicht unsere ist, arbeitet hinter der grünen Iris.

 

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Nun kommen sie endlich aus der Höhe herab in sclingernder weißer Reihe, in ihren weißen Schwingen, ganz nahe bei mir, nur in halber Fahrt. Sie wenden mir ihre Köpfe zu, jeder zeigt mir, wie seine lange rote schmale Zunge liegt und wartet im lichtgelben Boot des Schnabels.

 

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Im Fall spiegelt jeder Regentropfen den See, da ist ein Tosen, das unter den Füßen kitzelt, vom Fluß auf der anderen Seite, dem Dreihundert-Meter-Wasserfall, etwas in den Wellen-kämmen klettert aufwärts in das weiße Wasserfall-Licht und wird Licht.

 

 

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Die Gedichte stammen aus «Die Lippen verlangen nach Ocker», edition offenes feld, Dortmund 2016. / Aus dem Norwegischen von Klaus Anders, geb. 1952.  Dichter und Übersetzer. Er lebt in Neuwied, Deutschland. / Kjartan Hatløy, geb. 1954, gilt als einer der hervorragendsten Naturlyriker Norwegens.

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